Zen und die japanische Gartenkunst des Shunmyo Masuno

Zen und die japanische Gartenkunst des Shunmyo Masuno
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Die japanische Gartenkunst hat eine große Tradition und beeinflusst weltweit zeitgenössische Gartendesigner. Zu den wichtigsten japanischen Gartenkünstlern unserer Zeit zählt Shunmyo Masuno.



Die chinesische Legende "Der Karpfen wird den Wasserfall überspringen und sich in einen Drachen verwandeln, der sich dann in den Himmel erhebt", sagt der Schöpfer dieses Gartenkunst Meister Shunmyo Masuno. Die Symbolik soll die Besucher ermuntern, Herausforderungen an­zunehmen, so der Meister, der davon überzeugt ist, dass die Natur den Menschen beeinflusst.

Shunmyo Masuno ist ein Zen- Mönch in der 18. Generation und der letzte Zen- Buddhistischen Mönch der Gärten gestaltet. Er lebt und arbeitet an seinem Geburtsort Yokohama im Kenkohji-Tempel, der mit ­seinen alten Holzbauten wie eine zeitlose Oase der Ruhe und Besinnlichkeit anmutet. Die Gärten Shunmyo Masunos sind von der japanischen und buddhistischen Tradition inspiriert.

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Die japanische Gartenkunst

Die japanische Gartenkunst bedeutet vorerst ”katachi”, die Form. Er ist so angelegt, dass der Garten, von oben gesehen, eine Symmetrie oder ein schönes Layout ergibt. In Japan kommt es darauf an, wie der Garten wirkt, wenn man mittendrin steht. Vielleicht weil hier die Häuser selten mehrstöckig waren und man nicht die Vogelperspektive einnehmen konnte. Wir wollen ein Teil des Gartens sein, uns mit ihm in Harmonie fühlen. Ein japanischer Garten entsteht auch nicht nach vorgefassten Plänen – sondern richtet sich ganz nach dem Platz, auf dem er gedeihen soll.

Shunmyo Masuno erzählt uns, „Man muss einen Ort erst mal lesen, ihn verstehen und fühlen. Ich sehe ihn mir von jeder Perspektive aus an – auch aus der Ferne. Dann erst kann ich die Steine pflanzen. Wir sagen tatsächlich ”pflanzen”, weil Steine für uns genauso ein Stück Natur darstellen wie ein Baum oder eine Blume. Wichtig ist, dass die Balance stimmt. Vorn setzen wir fast immer niedrige Steine und Pflanzen, damit nichts den Blick versperrt.” Man muss auch berücksichtigen, dass ein Garten sich entwickelt und in jeder Phase gut aussehen soll. Ein Garten braucht etwa fünf Jahre, bis die Balance wirklich stimmt, dann muss er noch mal fünf Jahre reifen, bis er richtig gut ist. Mit einem Haus ist das völlig anders: Wenn das gebaut ist, ist es fertig.

Wer mit einem sanften harmonischen Garten aufgewachsen ist, wird auch ein sanft­mütiger Mensch. Wer täglich einen dornigen Rosen-Garten ansehen muss, wird auch einen dornigen, abweisenden Charakter bekommen. Ein aggressiver Garten allerdings macht auch aggressiv. Zum Beispiel wenn es darin viele spitze Steine gibt, die allein stehen oder aber auch spitze Äste die direkt auf den Betrachter zeigen.

Die japanische Gartenkunst nach Fengshui

Die einzelnen Lehren basieren immer auf realen Erfahrungswerten, das Fengshui genauso wie die Kunst, einen Garten anzulegen. Im Norden muss ein Hügel liegen, heißt es etwa im Fengshui: Das kommt daher, dass aus dem Norden oft der Wind kam und der Hügel ein bisschen als Windfang dienen konnte. Genau wie hohe Bäume. Die meisten Regeln gründen auf durchaus nachvollziehbaren Erfahrungen. So hat man im Norden Japans in den Gärten auch selten mit Wasser gearbeitet, und man versuchte, nach Süden eine möglichst offene Fläche zu halten damit die Sonne voll in den Garten scheinen und ihn hell und warm machen konnte.

Wir Japaner leben viel stärker mit der Natur als die Europäer – wir feiern die Kirschblüte, die Herbstfärbung und richten unsere Speiseplan viel strenger nach dem saisonalen Angebot. In Japan und China gab es viele Wälder – wie in Europa auch. Nur dass man sich hier in der freien Natur eher geschützt als bedroht fühlte und sich ein größerer Teil des sozialen Lebens draußen abspielte. In Europa ist der Garten ein traditionell von der Natur abgegrenzter Bereich, während die japanischen Gärten Teil der Umgebung sein wollen. Idealerweise schiebt man nur eine Tür beiseite, und schon hat man das Gefühl, mitten im Garten zu sitzen. Man versucht, Haus und Garten als eine Einheit zu begreifen. Anders als die Europäer haben Japaner dabei ein besonderes Gefühl für Steine. Die Farbe muss zum Beispiel möglichst hell sein, weil Weiß als rein und heilig gilt. Gerade im Zen sind Steine wichtig – Steine ändern sich nämlich nicht. Das ist etwas Bleibendes, und das Bleibende ist von besonders großem Wert.

In Japan ist Individualität eher unerwünscht. Gleichzeitig erkennt man an, dass jeder Baum, jede Blume und jeder Stein eine eigene Seele hat. Wir Japaner versuchen, den Charakter eines Baums oder Steins zu erkennen, um ihn harmonisch in die Umgebung einpassen zu können. Die Balance muss immer stimmen so wie das Prinzip von Yin & Yan.

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Die Fels-Errichter der Buddhistischen Mönche

Shunmyo Masuno versteht sich so als Nachfahre historischer Vorbilder, die im 13. Jahrhundert mit dem aus China eingewanderten Zen-Buddhismus die bis dahin üppigen Gärten Japans radikal reduzierten und ­eine völlig neue Ästhetik schufen. Seit der Kamakura-Zeit setzten Mönche ihre durch Meditation gewonnene Energie in Kunst um – in Malerei, Dichtkunst, Kalligraphie und Gartenbau. Die Gestaltung der Tempelgärten wurde Bestandteil der Zen-Praxis, der Garten zum Symbol der Meditation. Da die Mönche die Tempelumgebung damals oft auf bloße Steingärten reduzierten, gingen sie als Fels-Errichter- der Buddhistischen Mönche (ishidateso) in die Geschichte ein.

Die Anlagen der alten Meister faszinierten Shunmyo Masuno schon als Kind. Als Zehnjähriger besuchte Masuno mit seiner Familie die alte Residenzstadt Kyoto, wo Adel und Klerus seit über tausend Jahren Kunst und Kultur pflegten. Die überwältigende Schönheit der Gärten war ein tiefes Erlebnis für Masuno. Besonders der Steingarten des ­Ryoanji-Tempels begeisterte ihn.

Die Seelen der Japanischen Gärten

Der „Wogengarten“ im Cerulean Tower Tokyo Hotel gehört zu den eindrucksvollsten Landschaftsdarstellungen von Shunmyo Masuno. Mit seinen eigenwilligen Interpretationen von Zen-Gärten und der Balance ist der Meister unter Insidern als stille Sensation. Masuno der Meister sagt, „Ich möchte nur, dass die gestressten Großstädter wieder Mensch werden, entspannen, die Zeit anhalten und vielleicht sogar ihr Handy vergessen. Wenn man ganz ruhig hier sitzt, hört und spürt man Wasser, Wind und Inseln.“ In Japans berühmten Tempelgärten wird die Essenz der Natur gesucht und man hat den Eindruck, die künstlich gestaltete Natur übertrifft an Schönheit und Ausstrahlung die reale Natur. Japanische Gärten sind Orte des Schweigens und des Schauens.

Mehr als 60 Gärten hat Shunmuyo Masuno gestaltet, auch in Nordamerika und Europa. In Berlin zeigt er im 2003 vollendeten „Yuusui-en“ des Marzahner Erholungsparks mit Steinen, Kiesflächen und Teehaus japanische Gartenkunst der Perfektion. In Japan stapeln sich die Aufträge, obwohl so ein Gesamtkunstwerk zwischen 750.000 und fast vier Millionen Euro kostet. Es dauert mindestens dreieinhalb Jahre, in der Regel fünf von der Planung bis zur Fertig­stellung. Masuno betreue seine Projekte bis zum völligen Abschluss. Der Meister des Kenkohji-Tempels setzt sich detailliert mit der Umwelt auseinander und kontert der Hektik mit Besinnlichkeit.

Wer aus der Tokioter Hektik ein edles Hotel betritt und einen Musano-Garten sieht, bremst fast schon automatisch ab. ­„Unser Leben wird immer schneller, es wird schwieriger, sich selbst zu betrachten. Für Rückbesinnung reicht es nicht, einfach eine grüne Fläche oder etwas zur Dekoration von Hochhäusern anzubieten“, sagt Masuno. Was heute gefordert wird, ist ein Garten, der sehr viel tiefer in die Herzen der Menschen eingeht.

Zen-Philosophie ist die Seele des japanischen Garten

Noch im Altertum haben die Steine eine sehr wichtige Rolle in der japanischen Kultur gespielt. In Shintoismus 神道, der Ursprüngliche Geist Japans, werden die großen Steine als Kami verehrt, oder die heiligen Geister von Shinto. Die Flusssteine wurden als Kennzeichen für heilige Orte benutzt. Heutzutage sind die Elemente der japanischen Gartenkunst normalerweise große Steine, die Gebirge und Hügel symbolisieren und als dekorative Akzente für Brücke und Pfade benutzt werden. Kleinere Steine werden benutzt, um Teiche und Bäche zu umrahmen. Inzwischen gibt es trockene Gärten, die ganz aus Steinen bestehen. Die großen Steine stellen Gebirge, Insel und Wasserfälle dar und die kleinen Flusssteine repräsentieren das Wasser.

Vor jeder Entscheidung, wie man die Materialien gruppiert, meditiert der Zen-Mönch Shunmyo Masuno. Musano erzählt: „Ich gehe völlig im Dialog der Elemente auf. - Das Ergebnis soll über jede Schönheit hinaus den „Geist“ des Schöpfers ausdrücken. - Es gibt immer den Moment, an dem ich,  „jetzt'' sage – keinen Zentimeter mehr oder weniger.“ Shunmyo Masuno liegt der Gedanke zugrunde, dass alle Dinge der Natur, ob Steine oder Bäume, Leben besitzen und wir alle, die außerhalb von uns existieren, zu verehren haben.

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Die wichtigsten Elemente der japanischen Gartenkunst

Die japanische Gartenkunst verwendet Elemente wie Teiche, Bäche, Insel und Hügel, um eine Miniatur Version der natürlichen Landschaft nachzubilden. In diesem werden die wichtigsten und meist verwendeten Elemente der japanischen Gartenkunst zusammengefasst:

Teiche, Bäche und Wasserfälle

Die Teiche sind einige der zentralen Elemente der japanischen Gartenkunst und stellen sehr oft Seen und Meere dar. Manchmal sind die Teiche ein Zuhause für Koi-Karpfen, die zusätzlich Leben und Vitalität ins Garten bringen. In den trockenen Gärten werden die Teiche und Bäche von kleinen Flusssteinen und Sang repräsentiert. In den Japangärten, die als Freizeitparks dienen, können die Teiche für Bootfahren benutzt werden, um die schönen Pavillons auf den Inseln in der Mitte des Teichs zu erreichen.

Insel und Brücken als wichtige Elemente des Japangartens

Die Insel sind ein anderes der langjährigen Elemente der japanischen Gartenkunst. Deren Größe variiert von einem einzigen Stein bis zu großen Inseln, wo es genug Platz für Gebäuden gibt. Die stellen sehr oft echte Insel dar oder haben eine philosophische Bedeutung. Manche Insel repräsentieren Schildkröten und Kraniche, die Langlebigkeit und Gesundheit repräsentieren. Die Brücken sind ein anderes sehr verbreitetes Element, die Insel verbinden und Teiche und Bäche überqueren. Die Brücken werden oft aus Stein oder Holz gemacht und haben unterschiedliches Niveau an Komplexität.

Pflanzenbestand

Bäume, Büsche, Wiesen und Blumen sind häufige Elemente der japanischen Gartenkunst. Pflanzen wie Ahorn und Kirsche sind oft für Ihre schöne Blüten und Farben in bestimmten Saisons ausgewählt. Umgekehrt, werden Pinien, Bambus und Pflaume besonders für ihre Schönheit im Winter geschätzt, wann die anderen Pflanzen sozusagen schlafend sind. Das Moos wird auch besonders häufig benutzt. Die Pflanzen werden sehr vorsichtig im Garten geordnet, um eine natürliche Landschaft nachzumachen. Die Pflanzen kriegen außerordentliche Pflege und Versorgung und werden immer sauber und frisch behalten. Im Winter wird der delikate Bewuchs gründlich von der Kälte mit allen Mitteln beschützt.

Hügel

Größere Gärten, besonders die Freizeitparks von der Edo Periode, enthalten große künstlich gebildete Hügel. Diese Hügel sind Symbole für echte oder mystische Gebirgen. Von der Spitze des Hügels kann man sehr dem atemberaubenden Ausblick genießen.

Laternen

Die Laternen sind wichtige Elemente der japanischen Gartenkunst und haben verschiedene Größen und Formen. In den meisten Fällen sind die Laternen aus Stein gemacht und auf speziell vorher ausgewählte Plätze gestellt, wie z.B. auf Inseln und in der Nähe von wichtigen Gebäuden, wo sie Licht und Ästhetik sichern können. Die Laternen werden sehr oft mit Wasserbecken kombiniert, die zusammengestellt ein Hauptbestandteil des japanischen Teehauses darstellen.

Wasserbecken

In vielen Japangärten sind Wasserbecken aus Stein zu sehen, die Tsukubai genannt werden. Dieses Element ist ein Bestandteil der Tee Zeremonie und werden für die rituelle Reinigung benutzt. Die Wasserbecken kommen in unterschiedlichen Formen. Manche haben einfaches Design und andere sind mit komplexer Dekoration graviert. Heutzutage haben sie in den meisten Fällen einen mehr traditionellen als praktischen Wert.

Pfade

Der Pfad ist auch eins der wichtigsten Elemente der japanischen Gartenkunst. Die werden am meisten in den Freizeitparks und Tee Gärten eingelegt. In den Freizeitparks gibt es vor allem runde Pfade mit Stufen aus Stein, manchmal mit Sand oder kleinen Flusssteinen belegt. Die Pfade werden genau überlegt, um die Besucher zu den wichtigsten und schönsten Orten zu führen. Die Wege werden oft benutzt, um einzelne Areale zu trennen, damit diese als individuelle Bereiche wahrgenommen werden.

Gebäude

Viele Gartentypen werden so eingerichtet, um vom Inneren des Hauses beobachtet zu werden. Die Gärten sind vorgesehen vom Inneren beobachtet und betreten zu werden. Deshalb werden die Gebäude oft als Teil des Gartens gesehen, Pavillons, Tea Häuser und Gästehäuser inklusive.

Japanische Gartenweisheit und Zitate
„Nichts bleibt, alles verändert sich – lehrt der Buddha. Auch der Tod ist nur Übergang von einer Welt in die nächste.“
„Das uralte Motiv aus dem Zen-Buddhismus steht für die Bewältigung eines großen Hindernis und für Erleuchtung im Sinne einer persönlichen Erfahrung.“
„Im Zen-Garten erkennen wir jedes einzelne als Teil eines Ganzen. Er ist eine Schule der Achtsamkeit.“


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