Zeit liegt im Auge des Betrachters

Zeit liegt im Auge des Betrachters 
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Zeit liegt im Auge des Betrachters. Forscher haben nun endlich herausgefunden, wieso Fliegen zusammengerollten Zeitungen fast immer entwischen: Sie leben in einer Art «Matrix».



Fliegen können raschen Bewegungen wie im Film «Matrix» blitzschnell ausweichen.


Erinnern Sie sich an den Film «Matrix»? Dort lernt Keanu Reeves von seinen Lehrmeistern, wie er in der Lage ist, durch Gedankenkraft Pistolenkugeln auszuweichen und die Zeit fast vollständig anzuhalten. Ungefähr das spielt sich im Kopf von Fliegen ab, wenn sie um uns herumsurren und unseren Handflächenschlägen ausweichen.

Ein Internationales Forscherteam hat nun herausgefunden, dass Zeit relativ ist. Jedes Lebewesen habe eine eigene Wahrnehmung von Geschwindigkeit und Zeit, schreiben die Forscher im Fachjournal «Animal Behaviour». Je schneller sich der Stoffwechsel bei Tieren abspiele, desto langsamer vergeht für sie die Zeit. Die Fliege kann also seelenruhig ihre Mahlzeit beenden, bevor sie sich allmählich dazu entschliesst, der heranrauschenden Hand zu entfleuchen.

Lichtblitze verschmelzen ineinander

Die Fähigkeit, Zeit wahrzunehmen ist laut den Forschern messbar. Und zwar mit der sogenannten «critical flicker fusion frequency». Was klingt wie ein weiterer Science-Fiction-Film ist in Wirklichkeit ziemlich einfach zu erklären: Wenn aufleuchtende Lichtblitze in immer kürzeren Intervallen aufeinanderfolgen, gerät jedes Auge – ob menschlich oder tierisch – irgendwann an den Punkt, wo die flackernden Blitze nicht mehr zu erkennen sind und als konstant brennendes Licht wahrgenommen werden. Und genau diese Grenze wird eben «critical flicker fusion frequency» genannt.

Dieses Konzept macht sich jedes Fernsehgerät zu eigen. Was wir in der Flimmerkiste (die heisst nicht umsonst so) sehen, ist kein statisches Bild, sondern eine Reihe von Lichtblitzen. Dies ist etwa zu sehen, wenn wir versuchen, mit der Kamera eine Sendung abzufilmen. Und auch Hunde können das Phänomen erkennen, für sie flackert das TV-Bild, nur das menschliche Auge ist zu langsam dafür.

Geheimsprache für Glühwürmchen

Je nach Geschwindigkeit der Zeitwahrnehmung können sich verschiedenen Tieren also unterschiedliche Vor- und Nachteile bieten, weil sie nicht dasselbe wahrnehmen wie etwa ihre Feinde. Luke McNally von der Universität Edinburgh präzisiert: «Viele Spezies verwenden Lichtblitze als Signale, etwa Glühwürmchen oder Tiefseefische. Grössere und langsamere Beutetiere sind möglicherweise nicht in der Lage, diese Signale zu decodieren, was den Beutetieren eine Art Geheimsprache ermöglicht.»

Für Forscher Andrew Jackson vom Dubliner Trinity College ist klar: Es geht um ökologische Nischen. «Unsere Resultate zeigen, dass die Zeitwahrnehmung eine noch nicht untersuchte Dimension bietet, in der sich Tiere spezialisieren können.» Ihn fasziniere, «dass Tiere die Welt völlig unterschiedlich wahrnehmen könnten als wir». Eine raschere Wahrnehmung kann auch bei Menschen für Vorteile sorgen. So wird Tennis-Star Roger Federer oft nachgesagt, seine ausserordentlich hohe Sehstärke helfe ihm, bei Ballwechseln schneller zu reagieren als seine Gegner



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